Der Boxer
Kurzer geschichtlicher Überblick
Als unmittelbarer Vorfahre des Boxers gilt der Kleine bzw. Brabanter Bullenbeisser. Die damalige Zucht der Bullenbeisser lag meistens in den Händen von Jägern, denen er zur Jagd diente. Seine Aufgabe war es, das von den Hetzhunden getriebene Wild zu packen und festzuhalten, bis der Jäger kam und die Beute erlegte. Für diese Aufgabe musste der Hund ein möglichst breites Maul mit breitem Zahnstand haben, um sich richtig festzubeissen und auch festzuhalten. Jeder Bullenbeisser, der diese Merkmale hatte, war für seine Aufgabe am besten geeignet und kam somit auch zur Weiterzucht, die früher nur nach der Tätigkeit und dem Verwendungszweck erfolgte. So wurde auch eine Zuchtauslese betrieben, die einen breitschnauzigen Hund mit aufgestülptem Nasenschwamm hervorbrachte.
Allgemeines Erscheinungsbild:
Der Boxer ist ein mittel großer , glatthaariger, stämmiger Hund mit kurzem, quadratischem Gebäude und starken Knochen. Die Muskulatur ist trocken, kräftig entwickelt und plastisch hervortretend. Die Bewegungen sind lebhaft, voll Kraft und Adel. Der Boxer darf weder plump noch schwerfällig, noch leibarm oder windig erscheinen.
WICHTIGE MASSVERHÄLTNISSE (PROPORTIONEN):
a) Länge des Gebäudes: Widerristhöhe
Das Gebäude ist quadratisch, d.h. die Begrenzungslinien, eine waagerechte den Rücken und je eine senkrechte die Bugspitze bzw. die Sitzbeinhöcker berührend, bilden ein Quadrat.
b) Brusttiefe: Widerristhöhe
Die Brust reicht bis zu den Ellenbogen. Die Brusttiefe beträgt die Hälfe der Widerristhöhe.
c) Länge des Nasenrückens:
Länge des Kopfes: Die Länge des Nasenrückens verhält sich zur Länge des Oberkopfes wie 1:2 (gemessen von der Nasenkuppe bis zum inneren Augenwinkel bzw. vom inneren Augenwinkel bis zum Hinterhauptbein).
VERHALTEN UND CHARAKTER:
Der Boxer soll nervenstark, selbstbewusst, ruhig und ausgeglichen sein. Sein Wesen ist von allergrösster Wichtigkeit und bedarf sorgsamster Pflege. Seine Anhänglichkeit und Treue gegenüber seinem Herrn und dem ganzen Haus, seine Wachsamkeit und sein unerschrockener Mut als Verteidiger sind von Alters her berühmt. Er ist harmlos in der Familie aber misstrauisch gegenüber Fremden, heiter und freundlich beim Spiel, aber furchtlos im Ernst. Er ist leicht auszubilden vermögens seiner Bereitschaft zur Unterordnung, seines Schneides und Mutes, seiner natürlichen Schärfe und seiner Riechfähigkeit. Bei seiner Anspruchslosigkeit und Reinlichkeit ist er gleich angenehm und wertvoll in der Familie wie als Schutz-, Begleit- oder Diensthund. Sein Charakter ist bieder, ohne Falschheit und Hinterlist, auch im höheren Alter.
Er verleiht dem Boxer das Gepräge, muss in gutem Ebenmass zum Körper sein und darf weder zu leicht noch zu schwer erscheinen. Der Fang soll möglichst breit und mächtig sein. Die Schönheit des Kopfes beruht auf dem harmonischen Größenverhältnis zwischen Fang und Oberkopf. Von welcher Richtung der Kopf auch betrachtet werden möge, von vorn, von oben oder von der Seite, immer muss der Fang im richtigen Verhältnis zum Oberkopf stehen, d.h. niemals zu klein erscheinen. Er soll trocken sein, also keine Falten zeigen. Naturgemäß bilden sich jedoch Falten auf dem Oberkopf bei erhöhter Aufmerksamkeit.
Von der Nasenwurzel zu beiden Seiten abwärts verlaufend sind Falten stets angedeutet. Die dunkle Maske beschränkt sich auf den Fang und muss sich von der Farbe des Kopfes deutlich abheben, damit das Gesicht nicht finster wirkt.
OBERKOPF
Schädel: Der Oberkopf soll möglichst schlank und kantig sein. Er ist leicht gewölbt, weder kugelig kurz, noch flach und nicht zu breit, der Hinterkopf nicht zu hoch. Die Stirnfurche ist nur schwach angedeutet, sie darf besonders zwischen den Augen nicht zu tief sein.
Stop: Die Stirn bildet zum Nasenrücken einen deutlichen Absatz. Der Nasenrücken darf nicht bulldogartig in die Stirn eingetrieben, aber auch nicht abfallend sein.
GESICHTSSCHÄDEL
Nase: Die Nase ist breit und schwarz, ganz leicht aufgestülpt; weite Nasenlöcher. Die Nasenspitze liegt etwas höher als die Nasenwurzel.
Fang: Der Fang sei mächtig entwickelt in den drei Dimensionen des Raumes, also weder spitz noch schmal, kurz oder flach. Seine Gestalt wird beeinflusst durch
a) die Form der Kiefer
b) die Stellung der Fangzähne und
c) die Beschaffenheit der Lefzen.
Die Fangzähne müssen möglichst weit auseinander stehen und von guter Länge sein, wodurch die vordere Fläche des Fanges breit, fast quadratisch wird und mit dem Nasenrücken einen stumpfen Winkel bildet. Vorne liegt der Saum der Oberlippe auf dem Saum der Unterlippe. Der aufwärts gebogene Teil des Unterkiefers mit der Unterlippe, das Kinn genannt, darf die Oberlippe nach vorne nicht auffällig überragen, noch weniger aber unter ihr verschwinden, sondern er muss sowohl von vorn als auch von der Seite gut markiert sein. Die Fang- und Schneidezähne des Unterkiefers dürfen bei geschlossenem Fang nicht sichtbar sein, ebenso wenig darf der Boxer bei geschlossenem Fang die Zunge zeigen. Der Oberlippenspalt ist gut sichtbar
Lefzen: Die Lefzen vollenden die Gestalt des Fanges. Die Oberlippe ist dick und wulstig, sie füllt den Hohlraum aus, welcher durch den längeren Unterkiefer entsteht, wobei sie von den Fangzähnen desselben getragen werden.
Gebiss: Der Unterkiefer überragt den Oberkiefer und ist leicht nach oben gebogen. Der Boxer beißt vor. Der Oberkiefer ist breit am Oberkopf angesetzt und verjüngt sich nach vorn nur wenig. Das Gebiss ist kräftig und gesund. Die Schneidezähne sind möglichst regelmäßig in einer geraden Linie angeordnet, die Fangzähne weit auseinander stehend und von guter Größe.
Backen: Die Backen sind dem kräftigen Kiefer entsprechend entwickelt, ohne jedoch zu betont hervorzutreten. Sie gehen vielmehr in einer leichten Wölbung in den Fang über.
Augen: Die dunklen Augen sind weder zu klein noch hervorquellend oder tiefliegend . Der Ausdruck verrät Energie und Intelligenz, er darf nicht drohend oder stechend sein. Die Lidränder müssen eine dunkle Farbe haben.
Ohren: Die naturbelassenen Ohren haben eine angemessene Grösse; an den höchsten Stellen des Oberkopfes seitlich angesetzt, liegen sie in Ruhestellung an den Backen an und fallen - besonders wenn der Hund aufmerksam ist - mit einer deutlichen Falte nach vorne.
HALS: Die obere Linie verläuft in einem eleganten Bogen vom deutlich markiertem Genickansatz zum Widerrist. Er soll von reichlicher Länge sein, rund, kräftig, muskulös und trocken.
KÖRPER: Quadratisch. Der Rumpf ruht auf stämmigen, geraden Läufen.
Widerrist: Soll markiert sein.
Rücken: Soll, einschließlich der Lendenpartie, kurz fest, gerade, breit und stark bemuskelt sein.
Kruppe: Leicht geneigt, flach gewölbt und breit. Das Becken soll lang und besonders bei Hündinnen breit sein.
Brustkorb: Tief, bis zu den Ellenbogen reichend. Die Brusttiefe beträgt die Hälfte der Widerristhöhe. Gut ausgebildete Vorbrust. Die Rippen gut gewölbt, aber nicht tonnenförmig gerundet, weit nach hinten reichend.
Untere Linie: Verläuft in einem eleganten Schwung nach hinten. Kurze, straffe Flanken, leicht aufgezogen.
RUTE: Der Ansatz eher hoch als tief. Die Rute bleibt naturbelassen.
GLIEDMASSEN: Die Vorderläufe müssen von vorn gesehen gerade sein, parallel zueinander stehen und starke Knochen haben.
Schultern: Lang und schräg, straff mit dem Rumpf verbunden; sie sollten nicht zu stark bemuskelt sein.
Oberarm: Lang und zum Schulterblatt in einem rechten Winkel liegend.
Ellenbogen: Weder zu stark an die Brustwand angedrückt noch abstehend.
Unterarm: Senkrecht, lang und trocken bemuskelt.
Vorderfusswurzelgelenk: Kräftig, gut markiert, doch nicht augetrieben.
Vordermittelfuss: Kurz, fast senkrecht zum Boden stehend.
Vorderpfoten: Klein, rund, geschlossen, dick gepolsterte Ballen mit harten Sohlen.
HINTERHAND: Sehr stark bemuskelt, die Muskulatur bretthart und sehr plastisch hervortretend. Die Hinterläufe sollen von hinten gesehen gerade sein.
Oberschenkel: Lang und breit. Hüft- und Kniegelenkswinkel möglichst wenig stumpf.
Knie: Soll in der Grundstellung so weit nach vorn reichen, dass es eine vom Hüfthöcker zum Boden gezogene Senkrechte noch berührt.
Unterschenkel: Sehr muskulös.
Sprunggelenk: Kräftig, gut markiert, doch nicht aufgetrieben. Der Winkel beträgt ca. 140 Grad.
Hintermittelfuss: Kurz, mit einer geringen Neigung von 95 - 100 Grad zum Boden.
Hinterpfoten: Etwas länger als die vorderen. Geschlossen, dick gepolsterte Ballen mit harten Sohlen.
Gangwerk/Bewegung: Lebhaft und voll Kraft und Adel.
HAUT: Trocken, elastisch, ohne Falten.
HAARKLEID: Kurz, hart, glänzend und anliegend.
FARBE: Gelb oder gestromt. Gelb kommt in verschiedenen Tönen vor, von hellgelb bis dunkelhirschrot, jedoch sind die in der Mitte liegenden die schönsten (= rotgelb). Schwarze Maske. Die gestromte Varietät hat auf gelbem Grund in den obigen Abstufungen dunkle oder schwarze, in Richtung der Rippen verlaufende Streifen. Grundfarbe und Streifen müssen sich deutlich voneinander abheben. Weisse Abzeichen sind nicht grundsätzlich zu verwerfen, sie können sogar recht ansprechend sein.
GRÖSSE: Gemessen vom Widerrist, vorbei am Ellenbogen, bis zum Boden.
Rüden: 57 - 63 cm
Hündinnen:---53 - 59 cm
GEWICHT:
Rüden: über 30 kg (bei etwa 60 cm Widerristhöhe).
Hündinnen: ungefähr 25 kg (bei etwa 56 cm Widerristhöhe).
F E H L E R :
Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung im genauen Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.
VERHALTEN UND CHARAKTER: Aggressivität, Bösartigkeit, Hinterlist, Unzuverlässigkeit, Mangel an Temperament, Feigheit.
KOPF: Mangel an Adel und Ausdruck, finsteres Gesicht, Pinscher- oder Bulldogkopf, Geifern, Zähne oder Zunge zeigen, zu spitzer oder zu leichter Fang, abfallender Nasenrücken, Leder- oder Wetternase, heller Nasenschwamm, so genanntes Raubvogelauge, nicht durchgefärbte Nickhaut, bei nicht kupierten Ohren: flatternde, halbaufgerichtete oder aufgerichtete Ohren, Rosenohren, verkanteter Unterkiefer, schräge Zahnleiste, fehlerhafte Zahnstellung, schwach ausgebildete Zähne, untaugliches Gebiss infolge Krankheit.
HALS: Kurz, dick, lose Kehlhaut.
KÖRPER: Zu breite und niedrige Front, durchhängender Rumpf, Karpfenrücken, Senkrücken, magerer Rücken, lange schmale, scharf eingesenkte Lenden, schwache Verbindung mit der Kruppe, gewölbte Lendenpartie, abfallende Kruppe, enges Becken, Hängebauch, hohle Flanken.
RUTE: Tiefer Ansatz, Knickrute.
VORDERHAND: "Französischer" Stand, lose Schultern, lose Ellenbogen, schwaches Vorderfusswurzelgelenk, Hasenpfoten, flache, gespreizte Pfoten.
HINTERHAND: Schwache Muskulatur. Zu wenig gewinkelte oder überwinkelte Hinterhand. Säbelbeine, Fassbeinigkeit, Kuhhessigkeit, Hackenenge, Afterkrallen, Hasenpfoten, flache, gespreizte Pfoten.
GANGWERK: Watscheln, wenig Raumgriff, Passgang, Steifheit.
FARBE DES HAARES: Über den Fang hinausreichende Maske. Zu dicht aneinander liegende oder nur vereinzelt erkennbare Streifen. Schmutzige Grundfarbe. Sich vermischende Farben. Unschöne weisse Abzeichen, Wie ganz oder halbseitig weisser Kopf. Andersfarbige oder solche, deren Grundfarbe von mehr als einem Drittel Weiss verdrängt wird.
ANMERKUNG: Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Skrotum befinden
AGGRESSIONEN
Ganz wichtig ist es, immer zu fragen: Warum tut der Hund das was er tut?!?
Dazu muss man die verschiedenen Formen der Aggression kennen.
Schmerzassoziierte Aggression
Vor allem, wenn Aggressionen plötzlich und unerwartet beobachtet werden, oder in bestimmten Intervallen auftreten, sollte man daran denken, dass eine Erkrankung dahinter steckt.
Eine generell erhöhte Aggression nur am Anfang der Woche lässt z. b. vermuten, dass der Hund am Wochenende vielleicht überanstrengt worden ist – z. b. kann ein Rücken- oder Hüftleiden durch vermehrten Sport am Samstag oder durch extrem lange Wanderungen am Sonntag dem Hund Schmerzen bereiten.
Hunde mit Rückenproblemen sollten generell nicht am Halsband, sondern an einem Geschirr geführt werden, da jeder Ruck am Hals – egal ob unabsichtlich oder gewollt die Rückenschmerzen verschlimmert, was dann natürlich nicht besonders zur Friedfertigkeit beiträgt. Ein nicht unbedeutender Teil von Hunden mit nachgewiesenen Rückenproblemen hat in seiner Erziehung/Ausbildung den Leinenruck kennen gelernt. Leider muss man auch feststellen, dass ein Halti für solche Hunde nicht besonders gut geeignet ist, da auch hier zu sehr am Kopf/Hals manipuliert wird.
Verschiedene andere Erkrankungen, wie z. B. Tumore, Veränderungen des Stoffwechsels können auch dazu führen, dass ein Hund aggressiv reagiert. (Einseitige) Taubheit oder Blindheit können z. B. bei plötzlichen Berührungen Angst auslösen usw.
Man sollte immer zuerst vom Tierarzt abklären lassen, ob eine Erkrankung vorliegt, die die Ursache aggressiven Verhaltens ist, erst dann sollte man an andere Gründe denken.
Sozial motivierte Aggression
Nähe zum Menschen, Eifersucht
Territoriale Aggression
Garten, das Grundstück, die Wohnung, aber auch der eigene Liegeplatz wird verteidigt.
Ein schönes Beispiel ist der Briefträger, der angebellt wird.
Er betritt einfach das fremde Territorium. Hinzu kommt, dass er - in den Augen des Hundes - durch Bellen vertrieben wird.
Nahrungsaggression
Erklärt sich eigentlich von selber: Nahrungsressourcen werden verteidigt.

S. (6) aus G. verteidigt Futter, das über ihm auf der Anrichte steht. Dass es weder sein Futter noch sein eigenes Territorium ist, stört ihn dabei wenig ... ;)))
Angst- oder stressbedingte Aggression
Auf keinen Fall darf man angstbedingtes aggressives Verhalten bestrafen.
Angstaggression kann durchalles mögliche ausgelöst werden. Manchmal ist der Anlass - für uns Menschen - so klein, dass wir ihn gar nicht mitbekommen. Für den Hund, der oft auch noch an der Leine hängt und dem angstauslösenden Ereignis nicht entkommen kann, sieht es ganz anders aus.
Symptome von Stress:
Muskelkontraktionen – Humpeln, steifer staksiger Gang
speicheln, sabbern
Augenfarbe wechselt
Äderchen im Auge platzen
Schweißpfoten
Nackenhaare stellen sich, Rute geht hoch
hecheln
Schuppenbildung
dauerndes Pinkeln, Koten, Durchfall
andauerndes Bellen, Winseln
allgemeine Unruhe
Schreckhaftigkeit, Geräusch- und Berührungsempfindlichkeit
Ängstlichkeit
Aggressivität
keine Kommunikationsfähigkeit mehr (Schockzustand) – sehr ernst
sich aufbeissen, -lecken
Allergien – schon vorhandene Allergien werden oft auch noch mit Cortison
(künstliches Cortisol = Langzeitstresshormon) behandelt. Es tritt keine
Besserung ein, im Gegenteil vorhandene Allergien verschlimmern sich noch.
Haarausfall
schlechte Träume, unruhiger Schlaf
vermehrter Durst / Hunger
Futter-, Wasserverweigerung, kein Leckerchen mehr annehmen
Gehorsam / Arbeit völlig verweigern
stereotypes Verhalten wie Lichtpunkte, Schatten, Schwanz jagen
– sehr ernst
Löcher buddeln
Rennen
Dinge zerstören (z.B. beim Alleinbleiben)
Überreaktionen
Penis ausfahren beim Rüden
Aufreiten
Dominanzaggression
Dazu braucht der Hund natürlich irgendwas/irgendwen, das/den er dominieren kann. Da sag ich nix zu, da ich mittlerweile die “Dominanz” in dem Sinn, wie sie gerne verwendet wird, hinterfrage.
Konditionierte Aggression (erlernte Aggression)
... kann durch alles mögliche hervorgerufen werden (Beispiel Briefträger --> Briefträger kommt, Hund bellt, Briefträger geht - er wurde vertrieben).
Durch andauerndes Strafen (Leinenruck, Alphawurf, Schnauzengriff, schimpfen oder gar schlagen) wird solch erlerntes aggressives Verhalten oft noch verschlimmert, weil der Hund die ihm vom Halter zugefügten Schmerzen mit bestimmten Situationen – z. B. anderen Hunden verknüpfen.
Beispiel:
Hund sieht anderen Hund, Halter ruckt an der Leine, schimpft/straft – Hund wird jedes Mal beim Anblick eines anderen Hundes mehr bellen und aggressiver reagieren - es entsteht ein Teufelskreis aus Verhalten und Strafe, der erst einmal durchbrochen werden muss.
Frustaggression
Wird durch Unterforderung und (ständige) Langeweile ausgelöst
Maternale (mütterliche) Aggression
Erklärt sich von selbst. Ein weibliches Tier, das seine Jungen verteidigt, kann sehr gefährlich werden.
Aggressives Verhalten von Hunden läuft meistens in Form einer “Treppe” ab. Der Hund beginnt ganz unten und arbeitet sich langsam Stufe für Stufe nach oben, bis - in seinen Augen - die Gefahr vorüber ist. Viele Hunde haben jedoch durch Fehlverhalten des Menschen oder anderer Hunde gelernt, dass sie mit dieser Strategie keinen Erfolg haben. Diese Hunde überspringen schließlich mehrere Stufen um schneller das gewünschte Resultat, nämlich das Ende der Bedrohung, zu erreichen.
“Treppe der Eskalation”
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Achtung:
Es ist eher kontraproduktiv, einem Hund z. B. das Knurren zu verbieten, da er womöglich dieses Verhalten dann einfach aus seinem Repertoire streicht und diese Stufe der “Treppe” auslässt, d. h. er wird schneller die Zähne zeigen, drohen oder eventuell sogar ohne Vorwarnung zubeissen. Ist es ihm dagegen erlaubt zu knurren, können wir daran sehen, dass er überfordert ist und wir können ihn vielleicht noch aus der Situation herausbringen.
Alternative Verhaltensweisen des Menschen:
Den Hund beobachten;
Beschwichtigungssignale beachten;
Abstand schaffen - evtl. Barrieren zwischen den Hund und der bedrohlichen Situation aufbauen, sich dazwischen stellen, sich abwenden und dem Hund damit Gelegenheit geben “zu entkommen”;
den Hund ablenken, dadurch wird vermieden, dass er sich zu sehr fixiert;
Ganz wichtig: auf jeden Fall vermeiden, dass eine Situation eskaliert;
den Hund aus der Situation herausnehmen - je öfter er unerwünschtes, aggressives Verhalten zeigen kann, desto mehr wird er es perfektionieren (konditionierte Aggression!),
alternatives Verhalten einüben
Was man auf jeden Fall beachten muss, ist die
Individualdistanz - der Magische Kreis
Die Individualdistanz (Id) ist die Entfernung, in der der Hund niemanden duldet. Eigentlich , sind es zwei Distanzen, eine ab der der Hund droht und eine weitere ab der der Hund aktiv wird und den Störenfried vertreibt.
Die Id ist keine feste Entfernung, sie ist abhängig von der Reizlage (Laune und Sozialisierung) des Hundes, von vorhandenen begehrlichen Objekten (Spielzeug, Knochen), Territorium, der Rangordnung des Störers und ob er überhaupt zur sozialen Gruppe gehört. Des weiteren zieht der Hund aus gemachten positiven und negativen Erfahrungen Rückschlüsse.
Gegen ein ranghöheres Gruppenmitglied wird es nur eine Drohgrenze geben, angegriffen wird in der Regel nicht. Wenn doch, wird der Bezug zum Objekt benutzt um einen Rangordnungskampf vom Zaun zu brechen.
Rangniedere Gruppenmitglieder und Störenfriede werden angedroht und bei Uneinsichtigkeit wenig später angegriffen und vertrieben.
Auch die genetische Präposition spielt hierbei eine Rolle. Wachhunde zum Beispiel zeichnen sich durch eine hohe Drohdistanz und eine kurze Angriffsdistanz aus. Es ist erwünscht, das sie früh melden aber nicht selbst angreifen. Ein im Bau arbeitender Terrier wiederum soll nicht drohen sondern sofort und unmittelbar angreifen. Die Arbeit im Fuchsbau gehört nicht zum Funktionskreis Jagd/Ernährung sondern zur Selbsterhaltung/Verteidigung
